Allgemein

Mit zunehmender Freizeit nahm das Vereinswesen in Deutschland einen rasanten Aufschwung. Zur gemeinschaftlichen Ausübung eines Hobbys fanden und finden sich auch heute noch Menschen zusammen, um ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Eine solche sinnvolle Freizeitgestaltung kann die Haltung und Züchtung von Rassegeflügel und Rassekaninchen sein.

Die Übernahme von Verantwortung für lebendige Wesen, das Auseinandersetzen mit biologischen Vorgängen, die Freude an Tieren aber auch das gesellige Zusammentreffen mit gleichgesinnten Menschen und der gegenseitige Austausch von Erfahrungen und Kenntnissen wie auch der Wettbewerb um die schönsten Tiere bietet Gelegenheit, unabhängig von Alter oder sozialem Stand einer Freizeitbeschäftigung nachzugehen, die anders als viele andere Tätigkeiten nicht nur auf Konsum ausgerichtet ist, sondern den Menschen in seiner Gesamtheit prägt und fordert.

Mit solchen theoretischen Vorstellungen haben sich die Denkinger Männer, die die Idee hatten, einen Geflügel- und Kaninchenzuchtverein zu gründen sicherlich nicht auseinandergesetzt, trotzdem wurde bereits am 30. Mai 1921 in Denkingen ein Geflügel- und Kaninchenverein gegründet, der dann allerdings schon im Jahr 1931 wieder aufgelöst wurde.

Nach den Wirren des 2. Weltkriegs und mit Festigung der wirtschaftlichen Verhältnisse fingen die Vereine an, sich wieder neu zu formieren und Aktivitäten zu entwickeln. So wurde auch die Idee wieder aufgegriffen, in Denkingen einen Geflügel- und Kaninchenzuchtverein ins Leben zu rufen.

Johann Gaßner war es, der sich mit dem damaligen Bürgermeister Keller in Verbindung setzte, um die Erlaubnis zu einer Gründungsversammlung zu erhalten. Am 9. März 1949 fanden sich 13 interessierte Personen im Gasthaus zur Rose zusammen, von denen 11 dazu bereit waren einem solchen Verein beizutreten. Als Vorstand wurde Johann Gaßner gewählt, Kassier wurde Alfons Schnee (Adolfs) und Schriftführer wurde Moritz Merkle. Im Ausschuß wirkten mit Josef Joos und Wilhelm Roth. Weitere Mitglieder des Vereins bei der Gründung waren Hans Fetzer, Gustav Hafner, Eugen Maier, Helmut Schnee und Moritz Schnee. Im Gründungsjahr traten noch ein: Felix Fetzer, Karl Merkt (Müller) und Stefan Thieringer. Es folgten Hans Behm, Josef Dreher (Maurer), Eugen Frey, Karl Streicher und Manfred Schnee.

Mit den Jahren wuchs der Verein – neue Mitglieder wurden gewonnen, andere schieden aus. Auch Todesfälle waren zu verzeichnen, so ist den verstorbenen Mitgliedern besonders zu gedenken, die sich um den Verein verdient gemacht haben:

In ehrendem Gedenken an unsere verstorbenen Mitglieder

Die Aktivitäten des Vereins wurden erst nach und nach umfangreicher. Am Anfang war die gegenseitige Unterstützung mit Kenntnissen und Erfahrungen in der Züchtung und der Haltung der Tiere sowie die Beschaffung von geeignetem Zuchtmaterial und die Beschickung von auswärtigen Schauen im Vordergrund. Nach und nach jedoch entwickelten sich auch im geselligen Bereich zahlreiche Aktivitäten. So wurden Theateraufführungen organisiert, Tanzveranstaltungen, Kameradschaftsabende, aber auch Sylvesterfeiern und Ausflüge brachten Abwechslung in den Alltag. Vorträge und Lichtbildschauen brachten ebenfalls Schwung ins Vereinsleben, aber auch die Organisation und Durchführung von Kreisversammlungen, Kreisjugendjungtierschauen oder Jugendzeltlagern auf dem Klippeneck brachten schöne gemeinsame Erlebnisse.

Gemeinsam besucht man auswärtige Tierschauen und stellt auch seine eigenen Tiere, nicht nur in Denkingen, sondern auch überörtlich aus. Bereits 1955 konnten Erfolge auf Kreisebene errungen werden. Solche Erfolge sind bis heute nicht abgerissen. Ob auf Kreis-, Landes- oder gar Bundesebene, ja sogar im Ausland konnten Denkinger Züchter hervorragende Erfolge erringen. So beschicken Denkinger Kleintierzüchter auch heute regelmäßig große Tierschauen und können sich den Konkurrenten anderer Vereine und Verbände durchaus ebenbürtig zeigen.

Am 18.01.1953 wurden erstmals im Rahmen einer Lokalschau in Denkingen gezüchtete Tiere der Bevölkerung präsentiert. 48 Hühner, 14 Tauben sowie Angorakaninchen wurden der Bevölkerung gezeigt. Am 06.12.1953 waren es bereits 72 Tiere, die in der „Krone“ ausgestellt wurden.

Um die Tiere richtig zur Schau stellen zu können benötigt man Ausstellungskäfige, die der Verein in den 60er-Jahren beschafft hat. Nachdem die Lokalschauen zunächst in hiesigen Gasthäusern abgehalten worden waren, wurde ab 1962 die Alte Turnhalle zum Ausstellungsort gewählt. Ein angestrebter Umbau und die Erweiterung der Alten Turnhalle gemeinsam mit dem TSV wurde wieder fallen gelassen, nachdem vom Bürgermeisteramt der Bescheid kam, dass der Platz wohl für die Erweiterung der Schule benötigt würde.

Am 26.01.1973 wurde der Beschluss gefasst, das zum Verkauf stehende alte Feuerwehrmagazin an der Friedhofstraße von der Gemeinde zu kaufen, um dort ein eigenes Ausstellungslokal zu schaffen. Dieser Plan wurde 1975 in die Tat umgesetzt und das Gebäude mit großem finanziellen und noch viel größerem Arbeitsaufwand, weitestgehend in Eigenarbeit in ein Vereinsheim umgebaut.

Im Jahr 1976 wurde das Züchterheim eingeweiht. Die Gaststätte „Züchterheim“ oder im Volksmund „Rammler“ – wurde zunächst von den Vereinsmitgliedern Hans, Erna und Lothar Behm umgetrieben, bevor sie verpachtet wurde. Der Saal des Züchterheims wurde erstmals am 13./14.11.1976 für eine Lokalschau verwendet. 247 Tiere wurden damals im Saal und im Dachgeschoß zur Bewertung und Besichtigung ausgestellt.

Nachdem die von der Landwirtschaft geprägten dörflichen Strukturen auch in Denkingen immer mehr in den Hintergrund getreten sind und Stallungen heute nicht mehr zu jedem Haus gehören, wurde im Jahr 1978 der Gedanke geboren, eine gemeinsame Zuchtanlage in Angriff zu nehmen, um auch Tierfreunden die Haltung von Tieren zu ermöglichen, die bei ihrem Haus keine entsprechenden Möglichkeiten haben. Verschiedene Standorte wurden untersucht, um schließlich im Jahr 1985 die günstige Gelegenheit zu ergreifen, im Gewann Rainäcker mit der Errichtung einer Zuchtanlage zu beginnen.

Parallel zu Arbeiten der Gemeinde für einen Zuleitungssammler zum Regenrückhaltebecken wurden vom Kleintierzuchtverein eine Erdkabelleitung als Stromversorgung, der Zufahrtsweg einschließlich Parkplatz sowie 5 Fundamente für Stallgebäude geschaffen. In unzähligen weiteren Arbeitsstunden wurden dann bis heute 5 Stallgebäude sowie ein Unterstellplatz in massiver Bauweise errichtet und die erforderlichen Außenanlagen eingezäunt. Heute gackert, schnattert und gurrt Federvieh in und um alle 5 Stallgebäude – von den Kaninchen, die vorwiegend in den Gebäuden untergebracht sind, ist nicht so viel zu sehen und zu hören. Doch gerne zeigen unsere Mitglieder ihre Tiere auch interessierten Spaziergängern, die den Weg zur Zuchtanlage gefunden haben und hiernach fragen.

Platz für weitere Stallgebäude wäre auf dem Areal des Vereins noch vorhanden, jedoch scheint die Nachfrage zur Zeit befriedigt zu sein, aber auch die finanziellen Möglichkeiten des Vereins sind durch die getätigten Investitionen, wie auch die Unterhaltungsarbeiten am Züchterheim und dem Einbau einer Wohnung im Dachgeschoss in den Jahren 1998/99 zunächst ausgeschöpft.

Um einer Überalterung im Verein entgegenzuwirken – dies ist nicht erst ein heutiges Problem sondern wurde bereits in den 60er Jahren erkannt – wurde 1969 eine Jugendgruppe gegründet. Bastelnachmittage, Wanderungen, Zeltlager aber auch Vorträge, Gespräche und Spiele werden gemeinsam vorgenommen. Erfolge und Misserfolge werden gemeinsam besser verarbeitet als alleine. Auch der erzieherische Wert der bei der Haltung und Pflege von Tieren zu übernehmenden Pflichten und Eigenverantwortung sollte nicht unterschätzt werden. Zahlreiche Zeltlager für Jugendliche der umliegenden Kreisverbände auf dem Klippeneck/Hummelsberg wie auch mehrere Kreisjugendjungtierschauen wurden zwischenzeitlich organisiert und durchgeführt, aber auch zahlreiche Jugendtreffen des Landesverbandes besucht.

Um die dargestellten vielfältigen Aufgaben mit einem relativ kleinen Mitgliederbestand von 60 bis 70 Personen anzugehen bedarf es einer engagierten Vereinsleitung, die sich auf ihre Mitglieder verlassen kann. Dies war in der Vergangenheit immer der Fall.

Die Vereinsleitung lag und liegt in den Händen von ehrenamtlichen Mitgliedern, die ihre Aufgaben unentgeltlich und uneigennützig wahrnehmen, um die gemeinsamen Ziele zu verwirklichen und zu erreichen. Die Tätigkeiten des Vorstands und des Ausschusses wurden/werden von folgenden Personen ausgeübt:

Ausschuss

Bei den Kleintierzüchtern kann jedermann, der Lust und Freude am Umgang mit Tieren, aber auch mit Menschen hat, mitmachen. Es handelt es sich um kein Hobby, das nur von wohlhabenden Zeitgenossen ausgeübt werden kann. So fallen neben den Futterkosten, die durch Eigengewinnung auch noch reduziert werden können, nur noch Tätowiergebühren von 0,30€/Tier bzw. Beringungskosten sowie Impfkosten für die Gesundheitsvorsorge der Tiere keine großen Ausgaben an. An den Impfkosten beteiligt sich der Verein ebenso wie an den Ausstellungskosten für die Beschickung von Tierschauen im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten..

Auch der Vereinsbeitrag war bis heute immer äußerst moderat. Er beläuft sich zur Zeit auf 12,00 Euro im Jahr.

Gezüchtet werden im Kleintierzuchtverein Denkingen Kaninchen, Hühner, Tauben und Wassergeflügel, die in der Regel im November im Rahmen einer Lokalschau einer Bewertung und Besichtigung – auch für die Denkinger Bevölkerung – zur Schau gestellt werden. Die höchste Zahl an tätowierten Kaninchen war im Jahr 1966 zu verzeichnen, als mehr als 410 Tiere im Zuchtbuch einzutragen waren. In den letzen Jahren betrug die Zahl ca. 100 bis 200 Tiere.

Der Kleintierzuchtverein Z 438 Denkingen e.V. besteht nun über 60 Jahren. In dieser Zeit ist der wirtschaftliche Aspekt der Kleintierzucht zugunsten ideeller Werte gewichen. Die Tierzucht ist aber auch heute noch eine interessante, sinnvolle und schöpferische Freizeitgestaltung für Menschen aller Gesellschaftsschichten und Altersgruppen. Auch für Kinder und Jugendliche ist die Kleintierhaltung äußerst interessant und erzieherisch wertvoll, wobei die Unterstützung der Jugendlichen, sofern diese nicht von den Eltern, Großeltern oder anderen erwachsenen Bezugspersonen erfolgt, durch den Jugendleiter, aber auch andere aktive Mitglieder des Vereins sichergestellt ist.